Meine Methoden

Alle Studienformen und Forschungsdesigns werden individuell auf Ihr Museum oder Kulturangebot zugeschnitten. Verschiedene Erhebungsarten und Auswertungsmethoden lassen sich gezielt für Ihre Fragen, Ziele, Wünsche und Erkenntnisinteressen kombinieren.

Triangulation | Mehrmethodenansatz

Vorteile qualitativer Methoden

Qualitative Studien sind in der Regel Fallstudien: Diese berücksichtigen den Einzelfall und erlauben stärker Besonderheiten der Ausstellung, des Kulturangebots oder eines Museums einzubeziehen.

  • Erlauben das Verfolgen explorativer und deskriptiver Fragen
  • Sind ein kontextsensitives Auswertungsinstrument
  • Bleiben offen für unvorhergesehene Ergebnisse
  • Berücksichtigen immer verschiedene Perspektiven und subjektive Wahrnehmungen und Sichtweisen
  • Sind bei einer geringen theoretischen Durchdringung des Forschungskontextes zu empfehlen.

Vorteile quantitativer Methoden

Quantitative Studien erlauben Generalisierungen: Durch den Vergleich verschiedener Einheiten (Besucher, Ausstellungen, Museen, Kulturangebote etc.) lassen sich Ergebnisse über den Einzelfall hinaus verallgemeinern.

  • Erlauben systematische und repräsentative Aussagen
  • Berücksichtigen typische und verbreitete Einstellungen und Dispositionen.
  • Erlauben Veränderungen in einem Forschungskontext zu benennen.
  • Erlauben Aussagen zur Validität, Reliabilität und Verlässlichkeit der erhobenen Daten
  • Sind insbesondere für die Begründung, Bewertung und Legitimation von (Einzel-)Entscheidungen geeignet.

Vorteile der Kombination verschiedener Erhebungs- und Auswertungsmethoden (Triangulation)

Ein Mehrmethodenansatz vereint die Vorteile qualitativer und quantitativer methodischer Ansätze.

  • Dient der Validierung bei einer Konvergenz der Ergebnisse, bestätigt also die in beiden Methoden übereinstimmenden Ergebnisse.
  • Reduziert das Gewicht von methodisch bedingten Verzerrungen.
  • Ist für die Evaluation von Kulturangeboten aufgrund ihrer Abhängigkeit von subjektiver Rezeption und persönlichen Dispositionen und Sichtweisen zu empfehlen.

Klassische Besucherbefragung

Für die klassische Besucherbefragung wird eine jeweils repräsentative Stichprobe von Besuchern nach ihrem Ausstellungsbesuch befragt. Die Methode entspricht gängigen statistischen Erhebungsverfahren der quantitativen empirischen Sozialforschung. Eine Befragung ist mit vorab standardisierten Antwortkategorien durchzuführen und kann durch offene Frageelemente ergänzt werden.

Bevölkerungsbefragung

Für die Bevölkerungsbefragung wird eine für ein geographisches Gebiet repräsentative Bevölkerungsstichprobe gezogen. Die Menschen werden an öffentlichen Orten interviewt, um ein typisches Mischverhältnis sozialer Gruppen zu berücksichtigen.

Einstellungsforschung

Die Einstellungsforschung beruht auf Erhebungsformen, die graduelle Unterschiede in Bewertungen und Einschätzungen berücksichtigen. Damit lassen sich Besuchergruppen aufgrund ihrer Meinungen, Einstellungen und Präferenzen voneinander unterscheiden.

Offene Frageelemente

Offene Frageelemente erlauben die Berücksichtigung individueller Antworten, die im Interview als Fließtext notiert werden. Die Ergebnisse sind so in geringerem Maße durch Alltagskonzepte, Vorabannahmen und Stereotype geprägt. 

 Je unbekannter und je geringer theoretisch erschlossen ein Forschungsfeld ist, umso größer ist das Risiko, eigene Vorurteile und Fehleinschätzungen durch die Fragebogenkonstruktion zu verdoppeln. Im Erhebungsdesign offene und standardisierte Frageelemente zu kombinieren, schützt davor, dass Fehleinschätzungen in die Ergebnisse einfließen. Zu Beginn erfolgen eher offene Fragen, die sich später mit standardisierten Antwortvorgaben prüfen lassen.

Teilnehmende Beobachtung | 'Tracking'

Besucher werden bei ihrem Ausstellungsbesuch in angemessenem Abstand begleitet. Dabei wird beobachtet, wie sie eine Ausstellung nutzen. Der Beobachter notiert z.B., wie lange sie in einzelnen Bereichen oder vor bestimmten Objekten verweilen und welche Gespräche sie mit ihrer Besuchsbegleitung führen. So lässt sich z.B. ermessen, ob und wie die Objekte verstanden werden und welches Attraktionspotenial von verschiedenen Inszenierungsstrategien ausgeht.

Fokusgruppengespräche | Gespräche mit ausgewählten Besuchergruppen

In Fokusgruppengesprächen werden systematisch die Einschätzungen von Experten oder Multiplikatoren berücksichtigt (Lehrer, Journalisten, Kollegen etc.). Im Fokus können auch Schüler oder andere Besuchergruppen stehen, die zu den besonderen Zielgruppen einer Ausstellung gehören. Dieses Erhebungsinstrument ermöglicht es, Konsensbildungsprozesse, wie sie auch durch Multiplikatoren oder in der Öffentlichkeit stattfinden, zu simulieren und vorab zur Erwartungsbildung zu nutzen.  

 

Nicht immer müssen Daten gezielt erhoben werden: Kostengünstiger ist es, sich ohnehin vorliegender Informationen aus dem Ticketverkauf (Seniorengruppen, Schulklassen, Studentenermäßigungen, Familientickets etc.) oder der Anmeldung für Führungen etc. zu bedienen. Deren Informationsgehalt lässt sich systematisch analysieren, gezielt herausarbeiten und so zugänglich machen. Der Abgleich mit den Besucherzahlen ermöglicht zudem verallgemeinerbare Aussagen zur Repräsentativität der Ergebnisse zu treffen. 

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"Da es sich hierbei um weit reichende Management-Entscheidungen handelt, ist der Frage, wie man zu (...) Daten und Ergebnissen kommt, besondere Beachtung zu schenken. In der Praxis (...) werden Besucherbefragungen 'auf die Schnelle' entwickelt, ohne wissenschaftliche (Mindest-)Standards zu beachten und sich Zeit für eine klare Zielsetzung der Studie (...) zu nehmen..."

(Glogner-Pils, Empirische Methoden der Besucherforschung, in: Klein, Kompendium Kulturmanagement, 2011: 599)